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  Hélène Decoene
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  Brief von Carlo Petrini

Vignerons d’Europe

Tausend europäische Winzer in Montpellier

Die Idee, am 14. und 15. April parallel zu der Messe Aux Origines du Goût tausend europäische Winzer in Montpellier zusammenzubringen, ist der letzte große Wurf von Slow Food. Die Idee steht im Zusammenhang mit der Geschichte und der Logik des Vereins, Foren zu schaffen. Slow Food hat im Rahmen von Terra Madre fünftausend Bauern aus aller Welt in Turin zusammengebracht. Woher sie auch kommen, Bauern sprechen eine Sprache. Aber sie brauchen ein Forum, auf dem sie das Wort ergreifen können. Ausgehend von Terra Madre haben sich Netzwerke gebildet, aber das vielleicht Wichtigste für die Bauern ist, dass dieses Forum eine Form der Anerkennung ihrer Arbeit und ihres Berufs ist.

Zum 100. Jahrestag der Ereignisse des Jahres 1907 im Languedoc, als aufgrund von Überproduktion und Preisverfall des Weins und der Armut der Landarbeiter hunderttausende Demonstranten auf die Straße gingen, bringt Slow Food tausend Winzer in Montpellier zusammen, um die Debatte über die aktuelle Krise des europäischen Weinbaus zu führen. In unseren Augen ist die aktuelle Krise nicht nur eine ökonomische Krise, sondern auch eine Identitätskrise. Sie berührt die symbolische Bedeutung des Weins, der mehr und mehr als ein alkoholisches Getränk neben vielen anderen gesehen wird. Das ist die wahre kulturelle Krise. Angesichts dieser kulturellen Krise haben verschiedene Winzer und Gruppen bereits unterschiedliche Wege eingeschlagen und Antworten auf die Herausforderungen gefunden. In Montpellier geht es darum, unterschiedliche Ideen und Möglichkeiten des handwerklichen Weinbaus und tausend Erfahrungen zu konfrontieren. Es ist wichtig, dass wir gemeinsam nach möglichen Antworten suchen anstatt uns dem Protektionismus hinzugeben. Aus diesem Grund erscheint es uns wichtig, Winzer aus ganz Europa zu versammeln, die eine gemeinsame Geschichte haben und die dasselbe Modell des handwerklichen Weinbaus verfolgen. Wir schaffen ein Forum, das ihnen ermöglicht, sich über ihre Probleme auszutauschen und gemeinsam darüber nachzudenken, was die Weine und wer die Winzer von morgen sein können.

Wir sind der Bedeutung des Terroir sehr verbunden. Aber man weiß nur zu gut, dass das Terroir nicht immer respektiert, sondern oft als Marketing-Argument missbraucht wurde.  Dieser schlechte Umgang mit dem eigenen „Kapital“ kann die Schwäche der Terroir-Weine gegenüber Rebsorten-Weinen erklären. Es ist wichtig, in Frage zu stellen, was wir tun ohne dass es dabei darum geht, mit arkadischer Nostalgie zum Weinbau des 19. Jahrhunderts zurückzukehren. Wir wollen die Diskussion in moderner Terminologie führen: Die Tradition ist in Evolution, sie bildet sich durch Schichtung. Innovation ist nie etwas anderes als die noch junge Tradition.

Das Projekt der Reform des Weinbaues durch die Brüsseler Kommission, das unter anderem die Reduktion Rebfläche um etwa fünfzehn Prozent vorsieht, wird historische Auswirkungen haben. Das Dokument muss überarbeitet werden, verschiedene kritische Vorschläge müssen diskutiert werden und es müssen Lösungen gefunden werden, um die Vielfalt der Rebsorten zu erhalten. Das betrifft insbesondere den Bergregionen, die uns buchstäblich auf den Kopf fallen, sollten sie nicht mehr bewirtschaftet werden.

Es ist kein Zufall, dass das Treffen genau hundert Jahre nach den Ereignissen im Languedoc im Jahr 1907 in Montpellier stattfindet. Man erinnert sich heute vor allem an die Aufstände im Zusammenhang mit der damaligen Krise aber man vergisst die Auswirkungen, welche die Revolte der Winzer gehabt hat. Über die Rebellion hinaus, hat man damals Lösungen der Krise gefunden und die Politik überzeugen können, zu reagieren. Deshalb ist es wichtig, dass wir uns in Montpellier treffen.
 
     
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